Artikel Digital Nativeshuzhh Seit einer Weile hat sich mein Facebook-Nutzungsverhalten geändert. 2012, steckte in meinem Facebooknamen noch „Tüdeldüü“, ich postete Dinge wie Bilder von Cro, Dreiecken und Rage-Comics und Leute schrieben auf meine Pinnwand Sachen wie „Xoxo Gossipgirl <3“ und „Name und Bild gefallen (:". Ich denke diese Zeiten der Scham sind niemandem von uns fremd. Mittlerweile bin ich jedoch eher stille Beobachterin geworden, was das ganze Facebook-Erlebnis aber nicht unbedingt schöner macht. Dadurch, dass ich aufgehört habe, mich vor dem gesamten Netz zu blamieren, habe ich angefangen die Kommentarspalten unter jedem erdenklichen Post zu durchforsten. Natürlich nur, wenn ich neben dem immensen Uni-Stress noch Zeit dafür finde.

Warum ich mir das immer wieder antue, ist mir auch unklar doch wie mit Chips, kann ich nicht mehr damit aufhören sobald ich den ersten Kommentar gelesen habe. Vermutlich eine Art Selbstzerstörungsdrang. Meist mache ich mich unter Postings  von Spiegel-Online, FAZ oder der Zeit auf die Suche, nach Kommentaren, die meine Sinne triggern. Die Kommentarspalten triefen nur so vor Hass und Verachtung für alles und jeden, dass ich jedes Mal aufs Neue fassungslos bin. Anschließend möchte ich euch gern ein paar Beispiele aufführen.

Im Januar stieß ich auf einen Artikel des Spiegel, der durch eine Studie thematisiert, dass den Jugendlichen oder auch „Digital Natives“ heute das Reisen und Erleben von Dingen wichtiger sei, als das neuste Smartphone zu haben oder die aktuellste Mode zu tragen. Man würde vermuten, dass besonders die älter  „Früher-War-Alles-Besser-Generation“ sich über ein solches Studienergebnis freuen würde aber falsch gedacht!

Herbert und Nadine Kommetar 

Herbert zum Beispiel, von dem ich zwar nicht mit Sicherheit behaupten kann, dass er einer älteren Generation angehört, der nach seinem Kommentar zu Urteilen jedoch in das Raster der frustrierten, zynischen Kommentatoren fällt, sagt: „Die "Digital Natives" reisen um die Welt um Selfies zu knipsen, mit denen sie dann in sozialen Netzwerken fetzen und ihr vermeintliches (#)rooftopgoodlife zur Schau stellen.“   Ja Herbert. Du hast es erfasst, wir, die gesamte Generation Y reisen, damit wir mit unseren Selfies im Internet „fetzen“ können. Nicht etwa, weil uns andere Länder und Kulturen Interessieren, nein, wir mit unserem beschränkten Horizont wollen nur unser „rooftopgoodlife“, (übrigens sehr lustig, wie du dieses Hashtag in Klammern daneben gesetzt hast, das ist ja auch so ein „Digital Natives“ Ding) mit der Welt teilen. 

Aber auch Nadine, hat offensichtlich etwas dazu zu sagen, weshalb Generation Y schlechter reist, als Sie damals. Denn Nadine behauptet, dass es ja gar nicht mehr möglich sei, nicht ständig online zu sein. Dass ja immer alles geteilt werden müsse und warum man denn nicht mehr ganz „traditionell“ reisen würde. Eindrücke würden die jungen Leute nicht mehr „richtig und bewusst“ aufnehmen können. Woher Nadine diese Informationen nimmt und warum Sie unbedingt „traditionell“ reisen muss um eine Reise richtig erleben zu können, ist mir unklar. Was mir jedoch bewusst ist, ist, dass diese Kommentare und auch kaum ein anderer unter diesem Artikel von der thematisierten Generation verfasst wurden. Richtig: nicht die „Digital Natives“ fühlen sich genötigt, unter Artikeln auf Facebook ihre Meinung kundzutun, es sind Leute wie Nadine und Herbert, die statt traditionell ihre Gedanken in ein Buch zu schreiben, ein paar Landkarten zu lesen oder mit ihren Mitmenschen von Angesicht zu Angesicht darüber zu reden, ihr Smartphone oder den Laptop zücken um auf Social-Media gegen die „Social-Media-Generation“ zu wettern. 

Aber nicht nur in den Spalten zu solchen Artikeln geraten die Leute außer Rand und Band. Bei jeder kleinsten Nachricht findet man momentan in den Kommentaren mit 90 prozentiger Sicherheit jemanden, der das Ganze in negativer Weise auf Geflüchtete bezieht oder anderen rechten Schmutz in die Kommentarspalte hämmert. Unter einem Artikel vom vierten April, der thematisiert, dass jedes sechste Kleinkind von Grundsicherung lebt und hauptsächlich Kinder Geflüchteter betroffen seien, schreibt der liebe Benjamin zum Beispiel „Sind etwa doch nicht so viele hochqualifizierte Fachkräfte, Gehirnchirurgen und Flugzeugingeneure, wie man uns anfangs erzählt hat?“

Ja Benjamin. Du bist ein ganz Kluger, dein Kind wird sicherlich auch schon im Kindergarten hoch qualifizierter Gehirnchirurg sein. Anstatt solch empathielose Kommentare zu verbreiten, solltest du dir vorher eine Minute Zeit nehmen und über das nachdenken, was du da eigentlich grade schreibst.  

Seine Zeit also damit zu verbringen, Kommentare völlig Fremder zu lesen, ist für mich ein Aufreger, denn die Gedankenkraft und Zeit die ich hierbei aufbringe, könnte ich unstrittig hundert mal besser investieren. Da ich dies trotzdem nicht lassen kann, musste ich meine Aufregung  in Sätze zu packen und gleich einen ganzen Artikel dazu verfassen. Facebook-Kommentare sind eine kleine Hölle für sich und jeder, der halbwegs bei Verstand ist, sollte sich weitgehend von dieser fernhalten. 

 Text/Bilder: Lena Naber