ProkrastinierenDer Prokrastinierer

 Heute kommen wir zum dritten Typ Student. Wir kennen ihn alle und jeder kann sich auch mehr oder weniger mit ihm identifizieren: der Prokrastinierer. Einige mehr, andere eher weniger. Der Prokrastinierer verschiebt alles, was irgendwie geht und findet natürlich auch für jede einzelne seiner Entscheidungen beim Prokrastinieren ein wirklich plausibles Argument.

 Das Assignment wird morgen früh fällig? Kein Problem! Netflix bis sechs Uhr abends sitzt auf jeden Fall noch drin! Ist ja danach noch genug Zeit in der Nacht. Das Referat muss in einer Woche gehalten werden? Easy, dann wird zwei Tage vorher mit der Recherche begonnen. Gibt ja schließlich genug andere Dinge, die davor noch UNBEDINGT zu erledigen sind. Putzen zum Beispiel. Oder einkaufen. Zum Sport zu gehen klingt in letzter Zeit auch plötzlich nicht mehr so grässlich. Und übrigens: hat Asos nicht gerade Sale?!

Von der Klausurenphase mal ganz zu schweigen. Da wird so spät wie es nur geht mit dem Lernen angefangen. Denn je später man mit dem Lernen anfängt, umso kürzer ist dann auch die Klausurenphase, oder? Und schließlich muss ja auch vor dem Lernen erstmal ausgiebig geputzt werden, dann muss man noch ausmisten (was natürlich ABSOLUT auf keinen Fall bis nach der Klausurenphase warten kann) und unbedingt die Serie zu Ende gucken, die man vorher angefangen hat. Man will ja schließlich auch sichergehen können, dass man vor dem Lernen wirklich jede Art von Ablenkung eliminiert hat!

 Dann geht es erst mal ganz gut los mit dem Lernen, aber dann schreibt einem plötzlich ein alter Freund, den man wirklich lange nicht mehr gesehen hat. Und noch dazu ist der auch bald wieder weit weg und man wird denjenigen lange nicht mehr sehen. Kaffee trinken gehen sitzt dann natürlich drin, schließlich ist es natürlich eine absolute Ausnahme. Dass dafür überraschenderweise der ganze Tag draufgegangen ist, ist zwar nicht optimal in der Klausurenphase, aber sowas passiert ja schließlich mal oder? So wird dann Tag für Tag immer ein bisschen gelernt, aber eben auch rausgezögert.

 Bei solchen Studenten kommt dann öfter mal die Quittung am Tag des Referats oder Klausur. Klar, es gibt auch einige wenige, die damit trotzdem durchkommen und am Ende sogar super Noten bekommen. Aber das sind nicht viele.

 Natürlich ertappt sich jeder das eine oder andere Mal dabei, wie er etwas unnötigerweise bis zum bitteren Ende aufschiebt. Verständlich, sicher kann sich jeder etwas Spaßigeres vorstellen als den ganzen Tag für eine Klausur zu lernen oder an einem Referatsthema zu arbeiten, das man eigentlich gerne gegen ein anderes tauschen würde. Aber so ist das nun mal im Studium. Es gibt einfach Sachen, die lassen sich nicht aufschieben und müssen früher oder später erledigt werden.

Früher ist hier das Stichwort. Man hat in dem Moment zwar echt keine Motivation dazu eine lästige Aufgabe zu erledigen, aber im Nachhinein wird man es sich selbst danken. Und jetzt mal ganz ehrlich: die neue Netflix-Folge wird auch noch ein paar Stunden später abrufbar sein. Netflixen, Freunde treffen oder zum Sport gehen werden wir so oder so alle trotzdem. Aber die Vorstellung das zur Abwechslung mal ohne schlechtes Gewissen tun zu können hat schon etwas Reizvolles.

Ich habe letztens etwas gehört, was mir ganz gut gefallen hat, weil es einfach so eine ehrliche Aussage war. Jemand hat gesagt, dass man, um erfolgreich zu sein, keine Motivation „braucht“. Die hat man nämlich eh fast nie. Für Erfolg (wie in unserem Fall zum Beispiel eine gute Note) muss man immer irgendwelche Sachen erledigen, auf die man keine Lust hat. Und in solchen Fällen darf man nicht auf die Motivation warten, sondern muss stumpf Disziplin haben. Das klingt jetzt blöd, stimmt aber meistens leider.

Klar, die wenigsten von uns schaffen es immer alles rechtzeitig perfekt und ohne Zeitdruck zu erledigen (an dieser Stelle Respekt an diejenigen, die das können!). Aber vielleicht könnten wir uns das nächste Mal, wenn wir mal wieder netflixen anstatt unser Referat (oder was auch immer) rechtzeitig anzufangen, diese Aussage ins Gedächtnis rufen und den Arsch hochkriegen.

 

Text/Bild: Laura Beckmann