Auslandssemester in Madrid Jacqueline HeßJacqueline studiert im fünften Semester Kommunikationsmanagement und hat für ein Semester den Lingener Campus gegen die Universidad Rey Juan Carlos in Madrid engetauscht. Wir wollten wissen, wie sie in Spanien lebt und studiert und haben sie mit unseren Fragen gelöchert. 

 

Aus welchem Grund hast du dich ausgerechnet für Madrid entschieden? 

Um ehrlich zu sein war Madrid nicht von Anfang an mein Favorit. Es war für mich klar, dass ich nach Spanien wollte –das Wetter, die Kultur, die Sprache – aber ich hatte mich zunächst auf die Küstenstädte im Süden konzentriert. Leider gab es dort aber keine geeignete Partneruniversität und als es aus den Alternativen Riga und Zagreb nichts wurde, habe ich die Universidad Rey Juan Carlos in Madrid entdeckt. Ich wusste vorher überhaupt nichts über Madrid, aber jetzt bin ich mehr als froh, dass ich diese Wahl getroffen habe!

 

Wer hat dich bei der Planung des Auslandssemesters unterstützt? Wie weit im Voraus hast du mit der Planung begonnen?

Bereits im ersten Semester habe ich am internationalen Nachmittag am Campus Lingen teilgenommen, um mir erste Inspirationen einzuholen. Ab November 2016 habe ich dann begonnen, mich intensiver mit dem Thema zu befassen und erste Recherchen zu Partneruniversitäten und Finanzierung vorzunehmen. Im Februar habe ich dann das Motivationsschreiben verfasst und den Englischtest gemacht. 

Da die Auswahl an Austauschprogrammen und -universitäten für Kommunikationsmanager eher gering ist, habe ich mich zusätzlich zu Terminen im International Faculty Office noch mit Kommilitonen ausgetauscht, die bereits im Ausland studiert haben, was extrem hilfreich war. 

 

Du bist ja über ERASMUS in Madrid. Welche Vorteile bietet das? Was gibt es da zu beachten? 

Erst in Madrid wurde mir bewusst, wie viele Vorteile wir dank der EU und der Austauschprogramme wie ERASMUS haben. Kein Geld umtauschen, kein Visum beantragen, kostenlose medizinische Grundversorgung, keine Roaming-Gebühren… ERASMUS vernetzt die Studenten in Europa wirklich sehr gut. Ich habe mir bereits am ersten Unitag eine sogenannte ESN-Karte (Erasmus Social Network) gekauft, die mir zahlreiche Rabatte z.B. bei Parties und Veranstaltungen in Madrid sowie bei Flügen von Ryanair ermöglicht. Des Weiteren gibt es auch die ERASMUS-Förderung, die bei den Mietpreisen und Lebenshaltungskosten in Madrid sehr nützlich ist.

 

Auslandssemester Madrid 3 Jacqueline Heß

Was genau studierst du in Madrid? Sind die Vorlesungen auf Spanisch oder Englisch? Kannst du dir alle Module anrechnen lassen? 

Ich studiere an der Universidad Rey Juan Carlos an der Faculty of Business Administration and Management. Meine Vorlesungen sind auf Englisch, da es sich um eine bilinguale Universität handelt. Die Auswahl der englischsprachigen Kurse ist eher eingeschränkt, dennoch habe ich drei geeignete Module gefunden, die als Äquivalent zu den Inhalten des fünften Semesters in Lingen gelten. Noch in Deutschland erhielt ich mein vorläufiges Learning Agreement, das ich in Spanien bestätigen ließ. 

Die Organisation ist insgesamt etwas mühsam und vor allem in Spanien ticken die Uhren etwas langsamer, sodass man in den ersten Tagen des Semesters sehr wachsam sein sollte, was den offiziellen Teil des Auslandsaufenthaltes betrifft. Aber der Aufwand lohnt sich auf jeden Fall!

 

Wie wohnst du in Madrid und wie hast du deine Wohnung gefunden? 

Ich wohne in einer Wohngemeinschaft mit drei weiteren Studierenden aus den USA und Frankreich, mitten im Zentrum von Madrid. Es ist ein sehr harmonisches und ruhiges Zusammenwohnen. Ich habe mich gegen eine typische "ERASMUS-Wohnung" mit zehn oder mehr Bewohnern entschieden, da mein Zimmer ein Ort des Rückzugs sein sollte. Die Wohnung fand ich über die Online-Plattform "idealista", ein bekannter Anbieter in Spanien. Ich bin bereits zwei Wochen vor Unibeginn nach Madrid geflogen, um mir eine Wohnung vor Ort zu suchen. In dieser Zeit wohnte ich erst einmal in einem Hostel.

 

Man sagt den Spaniern ja nach, den Tag sehr entspannt angehen zu lassen. Wie empfindest du das Leben in Spanien?

Auch wenn du gerade den klassischen Stereotyp beschreibst, es ist leider wahr ;-). Allerdings kann ich mich im Endeffekt gar nicht beschweren. Unsere Waschmaschine ist in der zweiten Woche kaputt gegangen und nach vier Tagen stand bereits eine neue in der Küche! Ich war positiv überrascht. Man muss sich einfach in Geduld üben und nicht seine deutsche Mentalität über die der anderen stellen. 

 

Auslandssemester Madrid 2 Jacqueline Heß

Kannst du jetzt schon sagen, welche Erfahrungen für dich besonders prägend waren, positiv sowie negativ? 

Bisher bin ich super glücklich in Madrid und die Zeit hier ist einmalig und unvergesslich! Ich liebe Madrid, das Leben in den Straßen und diese lockere, entspannte Mentalität. Ich finde es großartig, dass die Spanier sich Zeit zum Essen, Trinken und für Familie und Freunde nehmen. Manchmal sollten auch wir Deutsche etwas lockerer sein und es einfach nehmen, wie es kommt..

Allerdings bin ich dann doch manchmal etwas deutsch und mag es nicht, wenn Termine nicht eingehalten werden oder die Miete einfach bar ausgezahlt werden soll. Bis heute muss ich mich manchmal in Geduld üben und einfach locker bleiben. Es klärt sich alles irgendwann, irgendwie. 

 

…Willst du noch was loswerden? 

Ohne Spanisch kommt man hier nicht weit! Zwar spreche ich hier auch überwiegend Englisch und in der Uni klappt das super, aber im Alltag sprechen die Spanier wenig bis gar kein Englisch. Von daher sollte jeder, der nach Madrid gehen möchte, am besten schon vorher Spanisch sprechen können oder vor Ort einen Kurs besuchen. Ansonsten möchte ich Madrid jedem ans Herz legen! Es ist eine großartige, aufregende Stadt, die wirklich niemals schläft.

 

 

Text: Viktoria Seiberth

Bilder: Jacqueline Heß